Flaute im Bett:
Soll ich mir eine(n) Neue(n) suchen?

Es geht um langjährige Beziehung(en), Alltagstrott und das leise Sterben des Sexuallebens

Wenn man frisch verliebt ist, verlässt man das Bett nur zur Nahrungsaufnahme und zum Pipi machen. Aber so länger man zusammen ist, desto ruhiger wird es im Bett. Gerade, wenn man dann noch Kinder hat und einen stressigen Job, geht es besonders schnell. Die Unzufriedenheit wächst und früher oder später kommt man an den Punkt, wo man sich fragt: Soll ich mich trennen? Soll ich es akzeptieren? Was soll ich tun?

In diesem Tagebucheintrag geht es genau um das Thema. Du bist neugierig geworden und möchtest wissen, wie ich das sehe? Dann lies einen sehr intimen Tagebucheintrag von mir, zu einem Thema, was wohl vermutlich beinahe jeden betrifft.

Themen: #Beziehung#Alltagstrott und #toteHoseimBett

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Wenn man frisch verliebt ist, kommt man kaum aus den Federn. Man hat ständig Lust aufeinander. Es macht so unfassbar viel Spaß, die Knöpfe des anderen zu finden. Wie tickt er? Was mag er? Worauf steht er? Was törnt ihn an? Es ist wahnsinnig aufregend. Man gibt sich unfuckingfassbar viel Mühe und probiert alles aus. Kein Ort ist vor einem frisch verliebten Pärchen sicher. Freunde sind vom ständigen herumgeturtel schon genervt. Überall wird geknutscht, gefummelt und gefickt, was das Zeug hält. Man ist verliebt. Die Hormone tanzen. Man ist megaglücklich. Man hat Schmetterlinge im Bauch und man wünscht sich, dass das für immer und ewig so bleibt. Wer kennt das nicht? Ist das nicht eine wunderschöne Zeit?

Allerdings sieht die Realität meist ernüchternd aus. Egal, wie schön es ist, irgendwann holt uns der Alltag ein. Ich kenne so gut wie niemanden, wo das nicht so ist. Ein Prozess, der langsam abläuft. Schleichend. Was am häufigsten leidet, ist unser Sexleben. Der Tot kommt auf Raten. Aus dreimal am Tag, wird einmal am Tag. Aus täglich werden fünfmal pro Woche und daraus irgendwann viermal, dreimal, zweimal und irgendwann meistens nur noch am Wochenende. Klar, unter der Woche sind wir gestresst. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Wer kann es uns nachsehen, dass wir abends geschafft sind. Und morgen früh klingelt der Wecker schon so früh. Was uns am Anfang nicht gestört hat: Dann bin ich halt müde auf Arbeit!, wird schnell zum Problem und wir entscheiden uns für kein Sex und wach auf der Arbeit ankommen. Und aus jedem Wochenende wir jedes Zweite. Aus jedem Zweiten wird einmal im Monat. Ich kenne Paare, die schlafen nur noch an ihren Geburtstagen miteinander. Geburtstagssex. Ist das nicht traurig? Und vermutlich denken jetzt einige: Mensch, Sex ist nicht alles! 

Stimmt, wenn du das denkst, hast du vollkommen recht! Natürlich ist Sex nicht alles! Ich stimme dir zu. Aber weißt du was, eigentlich geht es gar nicht um Sex! Sex, also der reine Akt als solches, ist nicht das Problem. Menschen können Jahre lang ohne Sex leben. Gut, ich bin kein Psychologe. Ich bin kein Sexualtherapeut. Ich bin nur ein ganz gewöhnlicher Mann. Aber ich kann dir sagen, worum es mir geht. Ich habe nämlich auch Gefühle und ich höre auf mich. Ich reflektiere mich selbst. Und ich kann dir sagen, was dieses kein Sex mehr mit mir macht. Es geht nicht darum, ob man den anderen noch liebt oder nicht. Ich behaupte, viele Paare, die keinen Sex mehr haben, lieben sich noch. 

Du hast einen Partner. Du liebst deinen Partner über alles. Vielleicht habt ihr sogar Kinder zusammen. Und eigentlich ist eure Beziehung super, aber ihr schlaft kaum noch miteinander. Du erinnerst dich – wie oben beschrieben – an euer kennenlernen zurück. Er konnte seine Finger gar nicht von dir lassen. Und jetzt dreht der Arsch sich abends im Bett einfach nur um und pennt. Du fängst an zu grübeln. 

Findet er mich noch attraktiv?

Du fragst ihn und er sagt: »Aber sicher doch Schatz, natürlich finde ich dich noch attraktiv. Ich liebe dich! Sonst wäre ich doch nicht mit dir zusammen!«

Gut, es beruhigt dich. Zumindest kurzfristig. Schließlich möchtest du ihm glauben. Vielleicht zeigt er dir das auch mal wieder für ein paar Tage. Vielleicht sogar für zwei Wochen und dann, schläft das Sexleben wieder ein. Und erneut nagt es an dir. Neue Zweifel entstehen. Aber, wenn er mich liebt, warum zeigt er mir das dann nicht? Und du schaust in den Spiegel. Du bist älter geworden. Vielleicht hast du etwas zugelegt. Passiert nach Schwangerschaften schließlich öfter. Und auch wir Männer legen in Beziehungen gern ein paar Kilo zu. Man muss ja nicht mehr auf die Balz. Der Partner liebt einen auch in Jogginghose. Selbst ein Pups in trauter Zweisamkeit ist doch okay. Oder nicht? Vielleicht hat man sich in der Beziehung gehen lassen. Man hatte den Partner schließlich sicher, zumindest hast du das geglaubt und in vielen Beziehungen schleichen sich da ein paar Wohlfühlpfunde ein. Bin ich ihm zu fett geworden? Du fängst an dich mit anderen Frauen/Männern zu vergleichen. Früher hat er sich so richtig für dich ins Zeug gelegt. Er hat dir Blumen geschenkt. Wann hat er mir das letzte Mal Blumen geschenkt? Ist schon ziemlich lange her. Und im Bett? Langweile ich ihn? Ich meine, wenn er Sex mit mir toll fände, dann würde er mich doch häufiger verführen? 

Diese Zweifel nagen an dir. Du fühlst dich unwohl. Vielleicht wächst in dir das Gefühl, dass du ihm nicht mehr reichst. Ihm nicht mehr schön genug bist. Nicht mehr spannend genug. Vielleicht langweile ich ihn? Vielleicht gebe ich ihm ja gar nicht, was er braucht? 

Und ich? Wie fühle ich mich eigentlich dabei? Gibt er mir eigentlich noch das, wonach ich mich sehne? Er nimmt mich doch gar nicht mehr richtig wahr! Ich bin für ihn selbstverständlich geworden! Aber eigentlich bin ich doch eine tolle Frau? Eigentlich habe ich etwas Besseres verdient! Ich habe jemanden verdient, der mich wie eine Königin behandelt! Einen Mann, der mir das Gefühl gibt, dass ich für ihn die schönste Frau der Welt bin! Einen Mann, der mich auf Händen trägt und mir die Welt zu Füßen legt!

Machen wir uns nichts vor. Diese Phase ist gefährlich. Es gibt so viele tolle Menschen und wir begegnen ihnen überall. Wir begegnen ihnen auf der Arbeit. Der neue Kollege, der ein Auge auf dich geworfen hat. Oder in den sozialen Medien. Du hast ein Selfie von dir gepostet und da sind ein, zwei, drei nette Typen, die dir tolle Komplimente machen und deinem Kerl fällt es nicht einmal auf, das du beim Friseur gewesen bist. Und ich rede nicht einmal davon, dass du dich auf irgendwelchen Kontaktbörsen anmeldest und dich aktiv auf die Suche begibst. Der Alltagstrott und der immer seltener werdende Sex, baut Zweifel auf und die nagen an deinem Selbstwertgefühl. Du wirst anfällig für die Annoncen von anderen. Und nun die spannende Frage: Soll ich mir jemand anderen schnappen?

Okay, okay, ich gebe dir die Antwort, aber eine letzte Frage noch: Liebst du deinen Partner oder deine Partnerin noch? Oder nervt er/sie dich schon so sehr, dass du es nicht mehr mit ihr/ihm aushältst?

 

Wenn du deinen Partner (noch) liebst, dann lautet meine Antwort ganz klar: Nein!

Es macht keinen Sinn, einen neuen Partner zu suchen. Klar, anfänglich ist dann alles toll. Du bist wieder frisch verliebt. Fühlst dich toll. Ihr habt viel Sex. Du fühlst dich begehrt und fühlst dich, wie der schönste Mann oder die schönste Frau auf der Welt…

Aber in einem, zwei oder vielleicht in zehn Jahren bist du wieder genau an dem gleichen Punkt und das Problem holt dich erneut ein. Das Spiel fängt von vorne an. Klar, ein paar Mal kannst du das sicherlich machen, aber du wirst nicht jünger und es wird immer schwerer einen gescheiten Partner zu finden. Außerdem kommst du nie an!

Aber ist es nicht genau das, was wir uns wünschen? 

Ankommen. 

Uns zuhause fühlen. 

Jemanden, mit dem wir gemeinsam alt werden können? 

Wir müssen also das Problem lösen und nicht immer wieder neu anfangen, bis wir früher oder später wieder vor demselben Problem stehen.

 

Wenn du deinen Partner nicht mehr liebst und er dich wirklich nur noch nervt: Trenn dich! 

Ihr stehlt euch dann nur gegenseitig Zeit. Warte nicht, bis Mr. oder Mrs. Right vorbeikommt. Denn viele warten mit der Trennung so lange, bis sie Mr. oder Mrs. Right kennenlernen und trennen sich erst dann. Sie haben Angst, allein zu sein und bleiben so lange bei dem Partner, bis sie den sicheren Absprung wagen können. Ich finde das sehr unfair. Du benutzt deinen Partner dann aus egoistischen Motiven und nimmst ihr/ihm damit die Chance, seine(n) Mr. oder Mrs. Right kennenzulernen. Oder möchtest du so behandelt werden?

 

Hat dir mein Blogbeitrag gefallen? Wollen wir uns gedanklich mal mit dem Problem auseinandersetzen? Wollen wir uns mal die Gründe, warum der Alltagstrott überhaupt kommt anschauen und uns überlegen, was man tun kann, um das Feuer wieder zu entfachen? Oder interessiert es dich nicht? Lass es mich wissen!

Deine Meinung ist mir wichtig!